DM Bogen Halle Berlin: Der U18-Weltmeister glänzt in Berlin
27 Einzel- und sechs Mannschafts-Titel wurden am Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft Bogensport Halle in Berlin vergeben. Dabei gab es Favoriten- und Überraschungssieger sowie einen überragenden 17-jährigen Compounder, der die Arrivierten allesamt in den Schatten stellte.
Bei der DM in Berlin wurden im Compoundbereich die Erwachsenenklassen mit den Junioren zusammengelegt. Doch das störte Simon Moritz (Bogenschützen TSV Natternberg) überhaupt nicht. Der Jugend-Weltmeister aus dem vergangenen Jahr war vom ersten bis zum letzten Pfeil des Wettkampfes der dominierende Athlet. In der Qualifikation schoss er mit sensationellen 598 Ringen einen neuen deutschen Rekord und beendete diese natürlich auf Position eins. Und auch in der Ko-Phase der besten 16 Schützen gab sich der 17-Jährige keine Blöße und eliminierte die deutsche Elite der Reihe nach: Fabio Alex (150:146), Weltmeister-Kollege Ruven Flüß (150:148) und Paolo Kunsch (149:148) mussten sich – obwohl sie wahrlich nicht schwach schossen – geschlagen geben. Im Finale gegen den Überraschungs-Finalisten Pascal Schmidt zelebrierte Simon Moritz nochmals sein Können und gewann mit makellosen 150:146 den DM-Titel. Von seinen 120 Schüssen verfehlten insgesamt drei (!) die Zehn – sensationell: „Das war absolut krass und ein geiles Gefühl! Es lief schon beim Einschießen ganz gut und nach den ersten fünf Passen und 149 Ringen habe ich mir schon gedacht: Das wird heute was!“
Bei den Frauen verlief die Qualifikation zunächst wie erwartet: Top-Schützin Katharina Raab (Oberallgäuer Gauschützen) dominierte mit sehr guten 591 Ringen, gefolgt von Kaderkollegin Marie Marquardt (Blankenfelder BS) mit 579 Ringen. Doch die Ko-Phase begann mit einem „Knall“, denn Marquardt verlor sensationell im Achtelfinale gegen die erst durch ein Shootoff qualifizierte 16. der Qualifikation, Christina Göcke (Rovers Bogenschützen Hiltrop), mit 144:146. Damit war der Weg frei, und eine Schützin nutzte die sich bietende Chance: Franziska Göppel (Wassertrüdingen), die bereits 2023 triumphiert hatte rauschte durch das Achtel-, Viertel- und Halbfinale und blieb auch im Finale gegen Katharina Kutscher () dominant. Nach dem 139:132 meinte sie: Es war genauso überraschend wie vor drei Jahren. Mir bedeutet der Titel sehr viel! Ich bin schwer in den Wettkampf reingekommen, was die nicht ganz zufriedenstellend Qualifikation zeigt, in den Matchrunden konnte ich meine Leistung abrufen und umsetzen.“
Das gelang im Recurve der Männer Favorit Felix Wieser (FSG Tacherting) von Beginn an. Die Qualifikation beendete der Ältere der Wieser-Brüder auf Position eins (584) mit vier Ringen Vorsprung auf die Verfolger, und in der Ko-Phase spielte er seine Überlegenheit bis zum Goldfinale mit hohen Passen und sicheren Siegen (6:2, 7:1, 7:1) aus. Im Finale wartete mit David Strodick (SuS Boke), dem Titelträger von 2024, der im vergangenen Jahr auch erstmals über 70m den DM-Titel gewann, ein mittlerweile in der nationalen Spitze etablierter Schütze. Und es entwickelte sich ein packendes Finale: Wieser lag mit 3:1 vorne, sah sich kurze Zeit später aber plötzlich mit 3:5 hinten. Nach der letzten Passe hieß es schließlich 5:5 (29-29, 30-28, 27-28, 29-30, 29-27), sodass ein Shootoff über Gold entscheiden musste. Und hier behielt der jüngst mit der FSG Tacherting siegreiche Bundesliga-Champion die Nerven und siegte 10:9: „Mich freut es sehr, dass ich meine Saison mit zwei Goldmedaillen beenden konnte. Als Team in der Liga hätten wir nicht besser zusammenarbeiten können. Im Einzel bei der DM freue ich mich zwar sehr über das Ende, bin aber mit meiner Performance an der Schießlinie nicht so zufrieden. Die erste Hälfte lief noch super, doch ab der Pause hatte ich kein Gefühl mehr für meinen Schuss, was mich sehr ärgerte. Aber am Ende ging noch alles gut aus, insofern genieße ich das jetzt einfach“, sprach Wieser und freute sich über seinen zweiten Einzeltitel in der Halle.
Bei den Recurve-Frauen fehlten die Nationalkaderschützinnen, da diese sich zeitgleich bei der EM-Qualifikation in der Türkei befanden. Somit war es ein „offenes Rennen“, das zunächst von Titelverteidigerin Svenja Herrmann (ASG Göttingen) beherrscht wurde. Herrmann war die Beste nach 60 Qualifikationsschüssen und wies mit ihren 578 Ringen sieben mehr auf als die zweitplatzierte Lea Marie Schweer (SG Hagenburg-Altenhagen). Während Herrmann sich vor allem im Halbfinale gegen Nicole Müller () strecken musste und aus einem 0:4 ein 6:4 „zauberte“, war für Schweer vor allem das Achtelfinale der „Knackpunkt“. Gegen Janina Maneski () gelang der Sieg erst im Shootoff (10:8). Und so standen sich im Goldfinale die eins und zwei der Qualifikation gegenüber, und nach dem perfekten Start von Herrmann steigerte sich Schweer von Passe zu Passe, siegte letztlich mit 7:3 (27-30, 29-29, 27-26, 29-28, 29-26) und freute sich über ihren zweiten DM-Titel nach 2017 (damals bei den Juniorinnen): "Es lief am Samstag einfach megagut, und ich hätte damit nicht gerechnet. Klar, Mama und der olympische Gedanke sagen immer „Dabei sein ist alles“, aber eigentlich ist man ja dabei, um zu gewinnen - zumindest sehe ich das so. Ich bin sehr stolz auf mich und meine Leistung. Ich hab dieses Jahr nicht so viel trainiert, wie ich vielleicht hätte trainieren müssen für den Titel und dachte letzte Woche bei dem herrlichen Wetter, dass ich ja nochmal ein wenig vor der Deutschen Meisterschaft schießen könnte. Ich glaube, das hat sich gelohnt."
Auch in den anderen Bogenklassen ging es zum Teil dramatisch, zum Teil souverän zu. So gewann Linnea Endlich (SGes Hillerse) in der Recurve Schüler A-Klasse der Mädchen mit 19 Ringen Vorsprung. Übertroffen wurde sie noch von zwei Blankbogen-Schützen: Gerold Heuser (KKS Stebbach, Senioren) hatte 20 Ringe Vorsprung auf die Verfolger, Maximilian Mayer (SV Günztal Eldern, Jugend) wies am Ende gar 35 Ringe Vorsprung auf. Das genaue Gegenteil lieferten Fabio Rabenseifner (SV Lehmingen-Dornstadt, Compound Jugend) und Matthias Neumann (SG Eintracht Ebendorf, Blankbogen Männer), die exakt einen Ring Differenz zum Zweitplatzierten hatten. Und ein kleines Drama spielte sich in der Klasse Blankbogen Schüler A männlich ab: Denn Logan Kutzner (BS Sittenbach) und (Mattis Hausdorf (SV Ebhausen) lagen mit jeweils 523 Ringen gleichauf, Kutzner wies am Ende aber mehr Zehner auf.
Die Titelträger in Berlin
Recurve Männer: Felix Wieser (FSG Tacherting)
Recurve Frauen: Lea Mari Schweer (SG Hagenburg-Altenhagen)
Recurve Junioren: Bastian Gropp (SV Geratal Elxleben 1957)
Recurve Juniorinnen: Frida Janke (BSSC Olympia)
Recurve Master m: Dirk Tuchscherer (Kölner Klub für Bogensport)
Recurve Master w: Simone Mirtes (VSG Dingolfing)
Recurve Senioren m: Ingo Nibbe (BCI Hergolding)
Recurve Senioren w: Ursula Hertwig (SV Arolsen)
Recurve Schüler A m: Lukas Becker (BSV Moischt)
Recurve Schüler A w: Linnea Endlich (SGes Hillerse)
Recurve Jugend m: Till Hermann (SV Eberstadt)
Recurve Jugend w: Merle Edlich (SGes Hillerse)
Compound Männer: Simon Moritz (Bogenschützen TSV Natternberg)
Compound Frauen: Franziska Göppel (Wassertrüdingen Abt. Bogen)
Compound Master m: Thomas Hasenfuß (SV Querum)
Compound Master w: Susanne Engemann (BSV Teningen)
Compound Senioren: Franz Tamegger (Auracher BC)
Compound Schüler A: Ben Schuster (BSC Schömberg)
Compound Jugend: Fabio Rabenseifner (SV Lehmingen-Dornstadt)
Blankbogen Männer: Matthias Neumann (SG Eintracht Ebendorf)
Blankbogen Frauen: Jasmin Schmidt (BSC Wirges 1982)
Blankbogen Master m: Armin Raab (SF Gechingen)
Blankbogen Master w: Manuela Stender (ASC Göttingen)
Blankbogen Senioren: Gerold Heuser (KKS Stebbach)
Blankbogen Schüler A m: Logan Kutzner (BS Sittenbach)
Blankbogen Schüler A w: Sarah Bauer (BSG Schweinfurt)
Blankbogen Jugend: Maximilian Mayer (SV Günztal Eldern)
Teams
Recurve Schüler A: Adleraugen Berlin 1
Recurve Jugend: BSSC Olympia 1
Recurve: BSV Moischt
Compound: Oberallgäuer Gauschützen
Blankbogen: SV 1963 Nieder-Florstadt
Recurve Master: BC Oberauroff
Weitere News:
Ergebnisse der DM Bogen Halle in Berlin
DM Berlin: Limitzahlen für die DM Bogen Halle veröffentlicht
DM Bogen Halle Berlin: 29 Einzel-Titel werden vergeben
