Weltcup Madrid: Die Jugend geht voran
Sensation durch zwei deutsche Junioren beim Bogen-Weltcup in Madrid/ESP: Recurver Leon Zemella (Tecklenburg) und Compounder Simon Moritz (Oberschneiding) stehen jeweils im Halbfinale und greifen nach ihrer ersten Einzel-Medaille im Weltcup-Circuit der Erwachsenen.
Mauro Nespoli/ITA, Kim Je Deok/KOR, Mete Gazoz/TUR – und Leon Zemella! Das sind die Halbfinalisten beim letzten Weltcup der Saison in der spanischen Hauptstadt. Während die hochkarätige Konkurrenz bereits vier Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille bei Olympischen Spielen gewonnen hat, steht der 20-jährige DSB-Schütze erst am Anfang seiner Karriere. Mit Weltcup-Bronze in Shanghai/CHN im Mixed an der Seite von Michelle Kroppen deutete er aber bereits sein großes Potenzial an. In Madrid eliminierte er absolute Top-Schützen auf dem Weg in das Halbfinale: Zunächst den Inder Atanu Das (6:4), dann den Usbeken Amirkhon Sadikov (6:2), ehe ihm beim 6:5 (28-27, 30-30, 28-30, 29-30, 30-26, 9:8) gegen den Weltcup-Gewinner von Antalya/TUR, dem Inder Dhiraj Bommadevara, sein vorläufiges Meisterstück gelang. Im Halbfinale geht es nun am Sonntag, 12. Juli) gegen Tokio-Olympiasieger Gazoz.
Noch drei Jahre jünger als Zemella ist Simon Moritz. Und der U18-Weltmeister des Vorjahres machte in Madrid bei seiner ersten Weltcup-Teilnahme überhaupt deutlich, dass die Etablierten in Zukunft mit ihm rechnen müssen. Im 1/16-Finale besiegte er den ehemaligen Weltmeister Nico Wiener/AUT 149:146, ehe er den European Games-Gewinner von 2023, den Slowaken Jozef Bosansky mit einer perfekten Leistung 150:149 bezwang. Im Halbfinale behielt er die Nerven und machte aus einem zweimaligen Rückstand nach erster und dritter Passe einen Ein-Ring-Vorsprung, weil er mit zwei perfekten 30-er Passen zum 147:146 ausschoss. Sein Gegner im Halbfinale (11. Juli) ist der in der Szene als „Mr. Perfect“ bekannte Niederländer Mike Schloesser, der wohl erfolgreichste Compoundschütze und die aktuelle Nummer zwei in der Weltrangliste. „Simon hat als Youngster bisher einen tollen Auftritt hingelegt: Erster Weltcup, erste Final-Teilnahme. Dazu muss man nicht viel sagen“, lobte Bundestrainer Holger Hertkorn.
Auch die anderen DSB-Schützen enttäuschten in den Einzeln keineswegs: Katharina Bauer scheiterte erst im Viertelfinale an Marie Horackova/CZE, der Weltmeisterin von 2023, mit 2:6 (27-24, 27-29, 27-28, 27-29) und wurde Sechste. Michelle Kroppen /32. Platz) Charline Schwarz (60. Platz) und Elina Idensen (74. Platz) hatten sich sicherlich etwas mehr vorgenommen. Bei den Recurve-Männern belegten Mathias Kramer, Jonathan Vetter und Moritz Wieser die Plätze 23, 34 und 74, wobei sich vor allem Kramer in seinem Match gegen Frankreichs Jung-Star Baptiste Addis beim 4:6 (29-28, 25-28, 27-29, 27-26, 27-28) sehr achtbar schlug.
Bei den Compoundern war für Katharina Raab und Noah Nuber im 1/16tel-Finale Schluss: Raab (26. Platz) unterlag der Mexikanerin Maria Jimenez Valdes 142:145, Nuber (25. Platz) dem Niederländer Schloesser 145:148: „Noah hat ebenfalls überzeugt. Kathi kam anfangs nicht in Tritt, hat dann stark weiter geschossen und aufgeholt. Leider hat es dann nicht gereicht“, so Hertkorn. Paolo Kunsch (35. Platz), Yannic Arnold (53. Platz), Marie Marquardt (39. Platz), Franziska Göppel (51. Platz) und Jennifer Walter (54. Platz) mussten sich trotz z.T. ansprechender Leistungen frühzeitig aus dem Turnier verabschieden.

Während es in den Einzelwettbewerben blendend lief, kamen die zuletzt erfolgreichen Recurve-Teams nicht so zurecht, wie gewünscht: Sowohl die Männer in der Besetzung Mathias Kramer, Moritz Wieser und Leon Zemella (3:5 vs. Türkei, 9. Platz) als auch die Frauen in der WM-Gold Besetzung von 2023 mit Katharina Bauer, Michelle Kroppen und Charline Schwarz (4:5 vs. Spanien, 14. Platz) schieden bereits im 1/8el-Finale aus. Und im Mixed reichte es für die Duos Bauer & Zemella (3:5 vs. ITA, 11. Platz) und Raab & Moritz (156:157 vs. ESP, 6. Platz) auch nicht für das Halbfinale, wobei das Compound-Duo einen starken Eindruck hinterließ: „Das Mixed-Team hat stark geschossen. Mit etwas Glück hätte es mehr werden können, sie können stolz auf sich sein“, urteilte der Bundestrainer.
Das deutsche Team in Madrid
Compound: Franziska Göppel (Wassertrüdingen), Marie Marquardt (Potsdam), Katharina Raab (Wertach), Jennifer Walter (Weil), Yannic Arnold (Kaarst), Paolo Kunsch (Schwaikheim), Simon Moritz (Oberschneiding), Noah Nuber (Bad Schönborn)
Recurve: Katharina Bauer (Raubling), Elina Idensen (Bad Münder), Michelle Kroppen (Berlin), Charline Schwarz (Feucht), Mathias Kramer (Herßum), Jonathan Vetter (Deufringen), Moritz Wieser (Trostberg), Leon Zemella (Tecklenburg)
Betreuer: Oliver Haidn, Antje Hoffmann, Paul Kretschmann, Holger Hertkorn, Marcus Laube
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