DM Bogensport Wiesbaden: Elisa Tartler beendet Leistungssport-Karriere
Seit 2020 gehörte sie dem Frauen-Nationalkader an, in diesem Jahr gewann sie an der Seite von Katharina Bauer und Charline Scheiding (geb. Schwarz) Team-Gold bei der Europameisterschaft: Elisa Tartler (Berlin) ist eine der besten deutschen Bogenschützinnen und will dies auch bei der Deutschen Meisterschaft in Wiesbaden zeigen, die in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung hat, da sie danach ihre Leistungssport-Karriere beenden wird. Die Gründe erläutert die 27-Jährige im Interview.
Du hast in einem sehr emotionalen Post deinen Rücktritt vom Leistungssport nach der Deutschen Meisterschaft in Wiesbaden erklärt. Warum?
Tartler: „Ich war schon immer eine Person, die auch in den sozialen Medien die „schwierigen Phasen“ auch gezeigt hat. Für mich gehört das dazu, und ich finde es überhaupt nicht schlimm, das zu zeigen. Ich bin ein emotionaler Mensch und wollte auch ein paar Emotionen rüberbringen. Es gibt nicht den „einen“ Grund für meinen Rücktritt, aber ich habe versucht, einen rauszusuchen, der am greifbarsten ist.“
Du hast selbst nach dem EM-Titel mit der Mannschaft in diesem Jahr gesagt: „Ich hatte keinen Spaß an den Wettkämpfen!“ Wie schwer war es, mit diesem Gefühl umzugehen und sich dann einzugestehen, das war´s jetzt?
Tartler: „Bis zur Europameisterschaft habe ich das Gefühl, welches sich langsam immer mehr aufgebaut hatte, versucht zu ignorieren, weil einfach das Ziel der Europameisterschaft über all dem stand. Als nach der EM nicht die „erhoffte Erlösung“ kam und ich mich kurze Zeit später bereits im nächsten Wettkampf befand, kamen viele Gedanken und Emotionen hoch. Eine meiner vielen Erkenntnisse aus meinen ganzen Jahren im Kader ist, dass es wichtig ist, ehrlich zu sich selbst zu sein, auch wenn das nicht immer einfach ist. Und das war ich. Das war anfangs natürlich kein schönes Gefühl, da Leistungssport sehr lange Zeit mein Leben war. Das ist keine Entscheidung von heute auf morgen. Als ich mich dann nach viel Überlegung und Gedanken machen, an Oliver (Haidn, Bundestrainer, Anm. d. Red.) gewendet habe und mit ihm lange über alles geredet habe, fiel mir dann auch ein Stein vom Herzen. Ab da war alles einfacher für mich, und auch das komplette Team war einfach total zuvorkommend und für mich da! Ich bin dankbar für jeden einzelnen von ihnen!“
Seit 2020 warst du Teil des Nationalkaders Frauen und hast dort auf der olympischen Distanz, aber auch mit dem Feldbogen zahlreiche Erfolge feiern können. Welcher bedeutet dir am meisten?
Tartler: „Puh, es gibt viele Erfolge, die mir auf unterschiedliche Art und Weise viel bedeuten. Der Europameistertitel ist dabei aber auch ganz weit oben, da ich ein langes Ziel, Gold beim Hauptwettkampf, endlich erreicht hatte. Und dass die Jungs dann nachgezogen haben, hat für mich das Ganze einfach noch viel schöner gemacht. Selbst wenn ich jetzt noch daran denke, wie wir geschrien haben, als wir realisiert haben, dass wir Doppel-Europameister sind, kriege ich Gänsehaut und Tränen in die Augen.“

Die zweimal knapp verpasste Olympia-Teilnahme hat dir „den Boden unter den Füßen weggerissen!“ schreibst du. Waren das die zwei bittersten Momente in deiner sportlichen Karriere und wären das die Wettkämpfe, die du nochmals gerne schießen würdest?
Tartler: „Schwierige Frage. Ich hatte auch andere bittere Momente, über die ich nicht ausführlich mit vielen geredet habe. Jedoch würde ich sagen, 2024 war schon eine sehr bittere Pille zu schlucken, weil ich mich selbst einfach sehr bei den Olympischen Spielen gesehen hatte. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, und das will ich auch gar nicht. Meine Karriere ist mehr als die Olympischen Spiele und meine Persönlichkeit mehr als meine Karriere. Das habe ich lange nicht so gesehen. Wenn ich es mir aussuchen könnte, natürlich würde ich 2024 gerne nochmals schießen, aber ich würde meine ganze Karriere auch genauso nochmal leben. Mit allem, was passiert ist.“
Betrifft dein Rücktritt vom Leistungssport nur das olympische Bogenschießen oder auch das nicht-olympische Feldbogenschießen, das ja Teil der World Games ist und in dem du u.a. World Games-Bronze 2022 gewonnen hast?
Tartler: „Ich werde mich aus beiden Nationalmannschaften, sowohl olympisch als auch nicht-olympisch zurückziehen.“
Sehr erfolgreich warst du stets bei den Deutschen Meisterschaften, zunächst bei den Juniorinnen, dann bei den Frauen. Seit 2021 hast du viermal auf dem Treppchen gestanden, 2021 ganz oben. D.h. Wiesbaden liegt dir?
Tartler (lacht): „Ja, könnte man so sagen. Wiesbaden ist einfach eine tolle Kulisse, und auf dem Bowling Green stehen zu dürfen, hat immer etwas Schönes an sich.“
Was kann man von dir bei der DM in ein paar Tagen erwarten? Mit welcher Gefühlslage und Motivation wirst du die Wettkämpfe bestreiten?
Tartler: „Es ist für mich schon emotional zu wissen, dass es dann ein Ende hat. Aber ich bin wirklich so mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt, dass ich mich freue, all die Menschen zu sehen, die Bogenschießen lieben. Ich würde gerne einfach die Deutsche Meisterschaft genießen können. Alles andere ist Nebensache.“
Was wird nach der Bogensport-Karriere kommen? Was für Pläne hast du?
Tartler: „Ich bin noch nicht ganz weg vom Erdboden. Im Winter gehe ich in der Bundesliga wieder an den Start. Alles danach im Bogenschießen steht noch etwas in den Sternen. Ich sage niemals nie, aber eine Weile Abstand gewinnen, möchte ich dann schon. Des Weiteren werde ich bei der Bundespolizei innerhalb des nächsten Jahres meinen „normalen“ Dienst beginnen. Dann geht es auch wieder zurück in die Heimat.“
Und wie blickst du auf die intensive Bogensport-Karriere zurück? Welche Überschrift würdest du dieser geben?
Tartler: „Mit erfülltem Herz blicke ich zurück! Ich habe nicht nur Freunde und Erinnerungen fürs Leben gewonnen, sondern auch mit Max (Weckmüller, Anm. d. Red.) meinen zukünftigen Ehemann gefunden. Ich danke allen, die auf meine Reise dabei waren und bin froh um jeden, der auch noch weiter an meiner Seite sein wird. Eine Überschrift? Mehr als nur Treffer - wie ich durch Pfeile erwachsen wurde.“
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