Corona-Krise: “Die Absage der Wettkämpfe und des Schützenfests tut weh!“

Erstellt von Manuel am Mittwoch, 08.04.2020 20:47:04 | Kategorie Deutscher Schützenbund

Die Corona-Pandemie trifft den Spitzensport! Innerhalb des DSB und darüber hinaus finden keine Meisterschaften in diesem Jahr statt, die Olympischen Spiele wurden um ein Jahr verschoben. Doch die Krise trifft natürlich und ganz besonders auch den Breitensport. In welchem Ausmaß, das zeigt das Interview, das wir mit zwei Vereinsvertretern der Basis, mit Christel Freitag (1. Vorsitzende BogenTeam Cölln e.V.) und Michael Coors (1. Vorsitzender und Major der Schützengilde Rahden v. 1844 e.V.) geführt haben.

Zunächst die wichtigste Frage: Wie geht es Ihnen?
Freitag: “Mir geht es gesundheitlich gut, weil ich auch in kompletter sozialer Isolation bin, da ich zur Hochrisiko-Gruppe zähle. Es ist natürlich zwiespältig: Einerseits geht es mir gesundheitlich gut, andererseits fehlen mir der Sport und die Kontakte in den Verein erheblich. Es ist eine große soziale Komponente für mich.““
Coors: „Mir geht es körperlich gut, danke der Nachfrage. Bisher ist der Virus, ich habe zumindest nichts gemerkt, an mir vorbei gegangen. Die Seele leidet natürlich, wir mussten jetzt leider das für Anfang Mai gedachte Schützenfest absagen, und das nagt schon ein wenig.““

Gibt es Corona-Fälle in ihrem Verein?
Freitag: „Toi, toi, toi – bis jetzt noch nicht. Ich hoffe, es bleibt dabei!“
Coors: „Ich kenne Personen, die infiziert waren oder noch sind, aber aus dem Verein direkt ist mir nichts bekannt.“

Mir fehlen der Sport und die Kontakte in den Verein erheblich. Es ist eine große soziale Komponente für mich!

Seit wann ist ihre Anlage/Verein geschlossen? Was bedeutet das für ihren Verein?
Freitag: „Komplett geschlossen haben wir seit dem 16. März, eingeschränkt hatten wir das Training seit dem 13. März, das Kinder- und Schnuppertraining haben wir am 12. März eingestellt. Für unseren Verein bedeutet das, dass wir komplett lahmgelegt sind und das Kindertraining und der angelaufene Schnupperkurs nicht zu Ende geführt werden kann. Das gibt große Unsicherheit, ob wir die Kursgebühren zurückerstatten müssen oder ob die Leute so viel Geduld mit uns haben und warten, bis es wieder losgeht.““
Coors: „Der Stand ist schon seit Ende Dezember geschlossen, was aber an Umbaumaßnahmen dort lag, die sind inzwischen abgeschlossen. Es ist und war nicht einfach. Es ist ein wichtiger Treffpunkt innerhalb des Vereins, auch manchmal nur zum Klönen, zum Austauschen. Auch traditionelle Schießen fallen weg, Bedingungsschießen, Pokalschießen - das sind auch Einnahmen, die wegfallen. Auch wollten wir mit Blasrohrschießen beginnen. Aber vor allem fehlt das Gemeinsame dort.“

Foto: Schützengilde Rahden / Ein Foto aus besseren Tagen: Auf dem Schießstand der Schützengilde Rahden.
Foto: Schützengilde Rahden / Ein Foto aus besseren Tagen: Auf dem Schießstand der Schützengilde Rahden.

Gab es schon Vereinsaustritte? Ist die Krise existenzbedrohend?
Freitag: „Ja, zwei. Die Personen haben das aber nicht mit der Corona-Krise begründet. Ich hoffe, dass die Krise nicht existenzbedrohend wird und wir ein so gutes Standing bei unseren Mitgliedern haben, dass sie uns die Treue über die Krise hinaus halten werden.“
Coors: „Nein, deswegen gab es keine Austritte und noch ist es nicht existenzgefährdend. Was ist, wenn es länger dauert, wenn Einnahmen weiterhin fehlen, die Ausgaben aber bleiben, das werden wir dann, wie jeder andere Verein, sehen.“

Was sind die schmerzhaftesten Auswirkungen?
Freitag: „Die Absage der Wettkämpfe tut weh, z.B. die Absage der Deutschen Meisterschaft in der Halle in Hof, dort hatten wir zwei qualifizierte Schützen, oder die der Finals in Duisburg, wo wir evt. mit drei Athleten dabei gewesen wären. Im Sommer natürlich die Absage des kompletten Meisterschaftsprogramms – wir hätten in diesem Jahr die Vereins-, die Kreis- und die Bezirksmeisterschaft bei uns ausgerichtet. Da fehlt uns natürlich auch das Scheibengeld.“
Coors: „Ganz klar, die Absage unseres Schützenfestes vom 8.-10. Mai. Man hat fast ein Jahr auf den Höhepunkt des Schützenjahres hingearbeitet und jetzt findet es nicht statt.“

Wie arbeiten Sie aktuell für ihren Verein?
Freitag: „Wir halten über Telefon, Internet, E-Mail, WhatsApp Kontakt. Treffen tun wir uns nicht. Eigentlich wollten wir uns zum Abschluss der Ligasaison, wir haben zwei Teams am Start, Manöverkritik abhalten und wie wir unser Sommertraining für die Liga aufbauen. Das konnten wir jetzt nicht machen! Zusätzlich läuft die Planung für den behindertengerechten Ausbau des Bogensportplatzes weiter.“
Coors: „Da hat sich nicht viel geändert: Natürlich überwiegend per Internet (WhatsApp, E-Mail usw.) oder telefonisch. Gewisse Arbeiten müssen ja dennoch gemacht werden, z.B. geschäftliche Arbeiten.“

Gibt es Aktionen, die Sie ihren Mitgliedern anbieten? (z.B. Videos Trockentraining, Athletiktraining)
Freitag: „Da ist im Augenblick jeder auf sich selbst gestellt, weil wir unser Außen-Gelände wie auch unser Winterquartier nicht nutzen können. Wir haben natürlich den Leuten empfohlen, ihr Training mental und im Kraftbereich fortzuführen. Und Ausgleichsport zu treiben wie Radfahren und Joggen. Ich habe ein wenig die Befürchtung, dass wir beim Neustart wieder beim Stand null anfangen müssen.“
Coors: „Spezielle Aktionen haben wir nicht. Man bleibt immer irgendwie im Kontakt, so wie vorher auch. Wir sind ein kleiner, familiärer Verein. Aber ein Extra-Training gibt es jetzt nicht bei uns.“

Zeigt ihr Verein “Schützenhilfe” und unterstützt Hilfebedürftige aus ihrem Verein und ihrer Stadt?
Freitag: „Nein, da haben wir kein Hilfsangebote. Wir sind mehr im Kinderbereich aktiv, es gibt bei uns in der Stadt den „“Köln-Pass““ für bedürftige Menschen, und Kinder mit diesem Pass sind bei uns beitragsfrei. Und wenn wir unseren Sport wieder aufnehmen, müssen wir gucken, ob wir diese Kinder auch weiter unterstützen, z.B. mit neuen Pfeilen.“
Coors: „Hier im Ort unterstützt man sich immer irgendwie. Hier sind viele Vereine und Organisationen, die Hilfen anbieten, in denen auch Mitglieder sind. Die Vereine, alleine 11 Schützenvereine bei knapp 20.000 Einwohnern, helfen sich auch untereinander. Wenn Hilfe gebraucht wird, ist immer eine Person da.“

Die Krise trifft alle hart, hat die Krise auch etwas Gutes?  
Freitag: „Ja! Dieses generelle Innehalten und die Erkenntnis, wie viel einem dieser Sport und die damit verbundenen Menschen wert sind und welchen Stellenwert das hat.“
Coors: „Ich wüsste nichts Gutes. Vieles fällt weg. Was vielleicht gut ist, aber wer weiß, wie lange das anhält, man steht näher zueinander, hat auch oft mehr Geduld. Mehr Verständnis untereinander für Notsituationen, so wirkt es jedenfalls für mich.“

Was erwarten/erhoffen Sie sich von Landesverband bzw. DSB?
Freitag: „Das ist eine gute Frage. Wir haben keine hauptamtlichen Übungsleiter, wir machen alles auf ehrenamtlicher Basis. Da wäre es schön, wenn man eine Hilfe beim Aufbautraining, z.B. Übernahme von Kosten für einen Mental- oder Techniktrainer, bekäme, um das Ganze mit neuen Impulsen zu starten. Das wäre phänomenal!“
Coors: „Schnelle und unkomplizierte Hilfe, nicht finanziell, eher mit Rat und Ideen, manchmal hat man schon Fragezeichen über dem Kopf. Vielleicht auch Geduld von den höheren Verbänden, weil es ja auch passieren kann, dass Beiträge nicht so gezahlt werden können. Immer zuhören und nicht fordern.“

Wann rechnen Sie damit, dass sich die Situation wieder normalisiert?
Freitag: „Ich fürchte, dass das in zwei, drei Etappen geschieht. Die jüngeren Leute werden, sobald die Schulen wieder freigegeben sind, auch das Training wieder aufnehmen können. Für uns Älteren sehe ich eine längere Befristung. Wann wir komplett wieder einsteigen können? Ich hoffe, dass die Wintersaison wieder komplett läuft!“
Coors: „Das kann und will ich nicht einschätzen. Ich hoffe ab Oktober, dann beginnt hier in der Gegend wieder die Winterrunde im Schießen, und man hat noch ausreichend Zeit, dass man einigermaßen sicher für das Schützenfest planen kann. Aber es ist derzeit echt schwer, da etwas zu sagen.“

Foto: BogenTeam Cölln: Aktuell fliegen keine Pfeile beim BogenTeams Cölln.

Quelle: Deutscher Schützenbund
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