DSB- Themenwoche: Vier Sportler, vier Erfolgsmodelle: So gelingt der Spagat zwischen Sport & Beruf

Erstellt von Manuel am Dienstag, 17.11.2020 13:17:27 | Kategorie Deutscher Schützenbund

Sie wollen alle das Gleiche: Erfolg im Sport! John Kellinghaus (Flinte), Jan-Luca Karstedt (Pistole), Isabella Straub (Gewehr) und Katharina Bauer (Recurve-Bogen) befinden sich in unterschiedlichen Lebensphasen und wählen deshalb ihren ganz individuellen Weg, wie sie an die Spitze kommen wollen. Hier erzählen sie von ihren Erfahrungen und wie sie Sport und Beruf in Einklang bringen:

John Kellinghaus – Schüler:

„Ich bin in der 13. Klasse eines Gymnasiums, stehe vor meinem Abitur und bin gleichzeitig Mitglied im Skeet-Nationalkader. Ich gehe auf eine Sportschule, die nur wenige Kilometer von meinem Trainingsort entfernt liegt. Sport ist bei uns Abiturfach. Die Schule unterstützt mich sehr und ich kann jederzeit zum Schulleiter gehen und wegen einer Freistellung fragen. Wenn die schulischen Leistungen passen, ist das auch nie ein Problem. Viele meiner Klassenkameraden machen Leistungssport – von Reiten bis Turnen und Fußball ist alles vertreten. Ichhabe mir die Schule bewusst ausgesucht, nicht nur wegen des Standorts, sondern auch, weil ich dort geregelte Schulzeiten habe, die mir das Training am Nachmittag ermöglichen. Wichtig ist dabei, sich immer einen Plan zu machen, vor allem wenn die Klausurenphase anfängt. Da ist Selbstdisziplin wichtig. Es muss alles zusammenpassen. Schule wie Training. Ich muss mir das gut durchtakten, und man muss sich bereits vorher Gedanken machen, wann man Zeit hat zu lernen. Aber es kann auch vorkommen, dass ich mich bei einem Turnier noch abends hinsetze und lerne. Irgendwie muss der Stoff ja reinkommen. Wenn man so viel fehlt, braucht man zudem gute Leute, die einem den Unterrichtsstoff dann bereitstellen und man nicht alles selbst erarbeiten muss. Manchmal ernte ich schon ein wenig schiefe Blicke von Mitschülern, wenn ich eine Freistellung bekomme, aber ich merke auch immer wieder die Unterstützung der Lehrer, die fragen, wie es auf Wettkämpfen lief oder die im Sportunterricht sagen, dass ich lieber einen Gang ruhiger schalten soll, wenn eine Übung mit höherer Verletzungsgefahr ansteht und gleichzeitig ein wichtiger Wettkampf auf dem Programm steht. Hätte ich die Unterstützung von der Schule nicht, wäre das mit dem Sport sehr stressig. Wenn ich mit der Schule fertig bin, möchte ich auf jeden Fall weiter machen mit dem Schießsport und dann zur Bundespolizei.“

Studium und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen, bedeutet viel Organisation.

Isabella Straub, Lehramtsstudentin

Jan Luca Karstedt - Auszubildender:

Bild: Karstedt / Jan-Luca Karstedt fand über den Laufbahnberater des Olympiastützpunktes seine Ausbildungsstelle.
Bild: Karstedt / Jan-Luca Karstedt fand über den Laufbahnberater des Olympiastützpunktes seine Ausbildungsstelle.

 „Sport und Beruf miteinander zu verbinden, war zu meiner BFD-Zeit (Bundesfreiwilligendienst, Anm. d. Red.) wirklich einfach, weil ich viele Freiheiten genossen habe, da ich ein BFD im Leistungssport gemacht habe. Von meinen 40 Stunden Arbeitszeit hatte ich also 20 Stunden Zeit für Schießtraining. Ich durfte meinen Wochenplan selbst gestalten, und das hat super funktioniert. Eigentlich hatte ich bereits einen Ausbildungsplatz, aber leider war der Arbeitgeber nicht sehr offen für den Sport und stellte mich nicht für Wettkämpfe frei. Das war für mich keine Option. Über den Laufbahnberater beim Olympiastützpunkt kam ich dann zum BFD am Olympiastützpunkt Niedersachsen. Deshalb habe ich mit dem BFD begonnen, und das war im Nachhinein eine wirklich gute Entscheidung, denn das BFD hat mir wirklich viel gebracht. Heute habe ich einen neuen Ausbildungsplatz als Elektroniker für Automatisierungstechnik, bei dessen Vermittlung mir wiederum mein Laufbahnberater geholfen hat. Hier kann ich mich nun zusätzlich für Wettkämpfe freistellen lassen, was ich aber durch die momentane Situation noch nicht testen konnte. In Moment arbeite ich also ganz normal und gehe abends zum Training.“

Isabella Straub – Lehramtsstudentin:

„Studium und Leistungssport unter einen Hut zu bekommen, bedeutet viel Organisation. Bei der Stundenplanerstellung ist man oft nur eingeschränkt flexibel. Trotzdem achte ich - so gut es geht - darauf, auf die Stützpunkttrainings Rücksicht zu nehmen. Auf Grund dessen habe ich auch einige Kurse in höhere Semester verschoben. Sehr oft hat man lange Tage und man muss sich damit abfinden, dass Manches eine Zeit lang auf der Strecke bleibt. Die Anfangsstudienzeit, als es auch noch Studiengebühren gab, war wirklich hart, weil ich neben Studium und Leistungssport auch noch arbeiten gehen musste. Schwierig gestalten sich auch immer die Sommersemester, in dem viele Wettkämpfe und Ausscheidungen liegen. Da habe ich oft gefehlt. Hier ist es wichtig, ein gutes Netzwerk mit Leuten zu haben, die einen mit Mitschriften und Infos versorgen. Ich kann nur allen raten, sich im Vorfeld gut über den Studiengang zu informieren und sich gut mit Kommilitonen sowie Studierenden aus höheren Semestern zu vernetzen. Und auch die Fachschaft kann nützlich sein, denn sie hat vielleicht ein paar alte Klausuren oder den ein oder anderen Tipp für dich. Ansonsten gilt es, seinen Uni-Stundenplan um die Trainingseinheiten herumzubauen – oder man befindet sich gerade im Urlaubssemester, so wie ich, um sich auf die Olympiaausscheidung vorzubereiten.“

Katharina Bauer - Sozialversicherungsfachanstellte:

„Ich arbeite als Sozialversicherungsfachangestellte bei der DAK Gesundheit. Sie gibt mir die Freistellung für Wettkämpfe und Trainingslager. Meinen Dienstausfall bekommt mein Arbeitgeber sie  von der Sporthilfe rückerstattet. Außerdem kann ich meinen Tag auch tagsüber recht frei gestalten, sonst würde ich die 20-25 Stunden Training pro Woche gar nicht schaffen. Ich habe jede Woche meinen Trainingsplan, der auf den Wetterbericht abgestimmt ist, und daraufhin gestalte ich meine Trainingszeiten um meine Arbeit herum. Ich habe sowohl verkürzte als auch flexible Arbeitszeiten, was heißt, dass ich jeden Tag zwischen 8.00 bis 18.00 Uhr arbeiten kann - das aber angepasst auf mein Training. Meine Empfehlung ist Planung, denn alles ist planbar. Man muss sich Zeiten zurecht legen, in denen man bestimmte Sachen erledigt. So bringt man Struktur in seinen Alltag. Ich setzte mir selbst Prioritäten an unterschiedlichen Tagen und je nachdem richte ich meinen Tag danach aus. Da kommt neben Priorität ‚Arbeit‘ oder Priorität ‚Krafttraining‘ aber auch Priorität ‚Freunde‘ rein, damit ich das auf keinen Fall vor lauter Training vergesse. Das ist für mich persönlich sehr wichtig.“

Weiterführende Links

Bild: DSB / Lehramtsstudentin Isabella Straub holte bei der WM 2018 nicht nur den Quotenplatz für Tokio 2020, sondern auch noch fünf Medaillen.

Quelle: Deutscher Schützenbund
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